dRAMATURGIE                                   

 


WIEDERAUFNAHME

Samstag 10., Sonntag 11. Januar 2009, Muffathalle


Inga Helfrich u.a.

DIE DEUTSCHE MUTTER - EINE THEATEREXPEDITION


Mit: Mareile Blendl, Sophie Engert, Bettina Hauenschild, Monika Manz, Stefanie von Poser, Nika Wanderer

Regie & Konzept: Inga Helfrich

Texte: Katrin Dollinger, Inga Helfrich, Alexandra Helmig, Kristina Nenninger u.a.

Assistenz: Annalena Roters

Bühne/Multimedia: Alu Walter

Kostüme: Coren Pollock

Dramaturgie: Katrin Dollinger, Brigitte Kreitmeyr

Presse: Claudia Illi


Ein gesellschaftliches Rollenbild wird kunstvoll beleuchtet, kritisch hinterfragt und ins Licht gerückt. Wie verhält sich der Mythos zum Alltag der deutschen Mutter? Der Wunsch zur Realität? Die gesellschaftlichen Anforderungen zum persönlichen Lebensentwurf? Wie sieht die Zukunft der Mutterrolle aus?


Inga Helfrich und ihr Team haben Mütter befragt. Ihre Geschichten und Visionen bilden die Grundlage der theatralen Arbeit. Die Szenen werden gemeinsam entwickelt. Historisches spiegelt sich an der Gegenwart und umgekehrt. Die Spielerinnen liefern sich einer Theatermaschine aus, die das herrschende Bild der deutschen Mutter kaleidoskopartig reproduziert, variiert und bricht. Am Ende steht eine Vision der Deutschen Mutter jenseits aller Ideologien.


Mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt München, Kulturreferat,

Bezirk Oberbayern, Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Frauen.






DIE DEUTSCHE MUTTER - das Hörbuch zur Performance!

Erhältlich über den Megaeinsverlag //

Kontakt: Ralf E. Schüle. ralf.schuele(at)megaeinsverlag.de //

Tel.: 030/44351890



URAUFFÜHRUNG: 24.9./ 25.9.2008, 20.30 Uhr Muffathalle

DIE DEUTSCHE MUTTER



Mit Mareile Blendl,

Sophie Engert,

Bettina Hauenschild, Alexandra Helmig,

Monika Manz,

Stefanie von Poser

Regie & Konzept: Inga Helfrich

Bühne/Multimedia: Alu Walter

Kostüme: Coren Pollock

Dramaturgie:

Katrin Dollinger,

Brigitte Kreitmeyr

Presse: Claudia Illi


pRESSESTIMMEN


„Madonna im Nischenparadies“

Das Theaterprojekt „Die deutsche Mutter“ in Münchens Muffathalle


„Was wollen wir eigentlich?“ fragt eine irgendwann. Denn sicher wissen die Frauen in Inga Helfrichs „Theaterexpedition“ namens „Die Deutsche Mutter“ nur das: was sie nicht sein sollen, dürfen und wollen. „Wie wenig Mütter“, seufzte einst Pestalozzi, der Vorreiter des großen Müttererziehungsprojektes, „sind ihren Kindern ganz, was sie ihnen sein sollten!“ Daran hat sich nichts geändert auch wenn die Geschlechterverhältnisse neu verhandelt und die Mutterikonen regenbogenbunt eingefärbt wurden. Die deutsche Mutter hechelt, verfolgt von Psychologen, Pädagogen und Ratgebern, einem ideologisch aufgeladenen Phantasma hinterher, an dem zu scheitern sie immer noch für Privatsache hält.

Sieben Frauen zappeln in der Münchner Muffathalle im Netz der Normen und verinnerlichten Ansprüche. In High-Heels, Hot-Pants, Lackledermantel und Glitzerfummel wehren sie sich gegen das Verschwinden in der Mutterrolle, staksen eher im disco-als sandkastentauglichen Outfit über die Bühnenpodeste. Die auf Interviews basierenden, von Katrin Dollinger, Inga Helfrich und Brigitte Kreitmeyr bearbeiteten Texte fächern unterschiedlichste Lebensgeschichten auf. Da kämpft eine Mutter (Bettina Hauenschild) gegen das emotionale Chaos an, ein Topmodell (Monika Manz) betet mit Hilfe einer Souffleuse seine Erfolgsgeschichte als Mami vor, ein sich Seifenblasen hüllendes Weibchen (Sophie Engert) verteidigt sein heimisches Naturschutzreservat. In einem hundsgemeinen, wunderbar witzigen Monolog karikiert Mareile Blendl die weibliche Infantilisierung auf dem Spielplatz. Immer wieder vereinen sich die Stimmen zum Chor und formieren sich in Wechselreden zur kollektiven Zensurinstanz.

Frei von allem Mütterkitsch und mit ätzender Selbstironie zeichnet „Die deutsche Mutter“ das polyphone Porträt einer zerissenen Figur, das Scheitern an einem Ich-Ideal voller Widersprüche, die sich in medialen Modellgeschichten so traumhaft auflösen, in denen den Müttern alles zugleich gelingt: Als säkularisierte Schutzmantelmadonna in biosalatgrünen Mutter-Kind-Lauben eine, wie Barbara Vinken in ihrem Buch „Die deutsche Mutter“ erklärt, „schönere, buntere und bessere Welt zu kultivieren“, ein Kinderparadies, in dem die kleinen mittels lückenlosen Förderkursplans zu Überfliegern getrimmt werden, während sie selbst auf dem Karrieremarkt reüssieren und in ausgeklügelten Qualitätszeitnischen Supermutti spielen.

Gruselig, pointiert und ungemein komisch führt Inga Helfrich das Prinzip einer permanenten Überforderung vor, zeigt Frauen zwischen Glücksbeschwörungsformeln, Restträumen von den Autonomie- und Selbstverwirklichungsversprechen der Moderne, Liebe, Verzweiflung und mühsam gezämter Wut. Ganz leise flüstern sie von den mörderischen Impulsen, für die das Märchen die Stiefmutter erfunden hat.

In klug collagierten Zitaten scheinen die Schattenseiten eines Mythos auf, die Allmachtsphantasien, Mamas Erpressungsvokabular, der Missbrauch des Kindes als Lebenssinn.

Das Kleinfamilienglück bleibt an diesem Abend weitgehend ausgespart. Aber dessen sattsam bekannte Kuschelbilder sind ja schließlich mit verantwortlich für das Elend der Mütter.


Petra Hallmayer, Süddeutsche Zeitung, 26.09.2008


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